Hund mit Handicap: Ein Leben mit besonderen Bedürfnissen

Jeder von uns kann durch einen Unfall, durch Alter, durch Krankheit oder auch von Geburt an in die Situation kommen, ein Leben mit besonderen Bedürfnissen zu führen. In der Tierwelt ist das nicht anders. Und während wir in so einem Fall die besten Ärzte zu Rate ziehen und nach einer geeigneten Therapie suchen, sollten auch Hunde mit Handicap eine Chance auf die bestmögliche medizinische Versorgung und auf ein liebevolles Zuhause haben.

Sicher, ein Leben mit behindertem Hund ist anders - kann aber genauso erfüllend und bereichernd sein. Dennoch sollte man sich über gewisse Dinge im Klaren sein, bevor man sich, eventuell nur aus Mitleid, für einen Vierbeiner mit besonderen Bedürfnissen entscheidet. Auch wenn ein Unfall oder das Alter den eigenen Hund beeinträchtigt, ist es wichtig, zunächst realistisch die eigene Lebenssituation zu überdenken. Folgende Fragen sollten Sie daher beantworten können:

-       Wie wohne ich? Habe ich einen ebenerdigen Zugang oder einen Fahrstuhl?

-       Wie sieht mein Alltag aus? Ist das Handicap des Hundes mit meinem Beruf zu vereinbaren?

-       Was mache ich mit dem Hund, wenn ich in den Urlaub fahren möchte? Wer kann ihn in der Zwischenzeit betreuen?

-       Habe ich Zeit für die aufwändigere Pflege und die vermehrten Tierarztbesuche?

-       Kann ich mir die möglicherweise teuren Therapien und anfallenden Medikamtenkosten auch auf lange Sicht leisten?

Nachfolgend klären wir über die häufigsten Behinderungen von Hunden auf:

Verlust eines Sinnesorgans

Für uns mag es unvorstellbar sein, doch Augen und Ohren haben für Hunde nicht den gleichen Stellenwert wie für uns Menschen. Sie kompensieren die Blind- oder Taubheit mit ihrer hoch sensiblen Nase und ihren Tasthaaren. Besonders Zuhause oder in gewohnter Umgebung bewegen sich diese Hunde mit der Zeit mit großer Sicherheit.

Während bei der Erziehung oder Interaktion mit blinden Hunden auf akustische Signale gesetzt wird, werden taube Hunde auf visuelle Signale – wie Handzeichen oder Mimik – sensibilisiert. Hilfsmittel wie Vibrationshalsbänder können dabei den Alltag zwischen Herrchen und Hund erleichtern.

Hunde, die taubblind sind, stellen eine besondere Herausforderung dar: Auch sie lassen sich von ihrer Nase leiten und nehmen etwa mit Hilfe von Leckerlis eine Fährte oder eine bestimmte Richtung auf. Durch antrainierte Berührungen oder mit einem sanften Ruck am Geschirr lassen sich diese Hunde lenken und an der Leine führen. Bis Halter und Hund jedoch ein eingespieltes Team sind, braucht es viel Zeit, Geduld und Sensibilität.

Blinde als auch taube Hunde können schreckhafter auf plötzliche Annäherungsversuche oder Berührungen reagieren, daher ist es wichtig, auch immer das Umfeld auf die Bedürfnisse des Hundes hinzuweisen und ihn stets im Blick zu haben – besonders wenn Kinder dabei sind.

Verlust von Gliedmaßen

Wenn Hunde ein Bein verlieren, können sie in den meisten Fällen erstaunlich gut damit umgehen. Natürlich brauchen sie eine gewisse Zeit, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Aber dreibeinige Hunde haben genauso viel Spaß und kommen fast ebenso schnell voran wie ihre vierbeinigen Artgenossen.

Anders verhält es sich bei dem Verlust mehrere Beine oder einer Querschnittslähmung: Mit orthopädischen Hilfsmitteln wie speziellen Rollstühlen können gelähmte oder amputierte Hunde mit gezieltem Training jedoch auch wieder mobil werden. Es ist wichtig zu wissen, dass bei so einem schweren Handicap auch mit Folge-Erkrankungen – wie Gelenkproblemen oder Inkontinenz – zu rechnen ist.

Neurologische Beeinträchtigung

Auch bei Tieren können Erkrankungen wie Bandscheibenvorfall oder Epilepsie neurologische Ausfälle verursachen, die das Leben des Hundes negativ beeinflussen. Meistens lassen sich jedoch diese Erkrankungen durch Medikamente oder Physiotherapie gut in den Griff bekommen.

Auch bei dem sogenannten „Wobbler Syndrom“, einer Nervenschädigung der Halswirbelsäule, bei der unter anderem ein unsicherer Gang zu den Symptomen gehört, sollte ein neurologischer Fachtierarzt zu Rate gezogen werden. Ebenso wie bei dem äußerst schmerzhaften „Cauda Equina Syndrom“, einer Kompression der Nervenwurzeln am Ende des Rückenmarks, unter dem häufig ältere und größere Hunde leiden – und welches Lähmungen und Inkontinenz zur Folge hat.

Egal, an welcher Beeinträchtigung der Hund leidet: Jedes Tier sollte individuell beurteilt werden, da jedes Handicap verschiedene Facetten und Krankheitsabstufungen mit sich bringt. Solange die Lebensqualität des Hundes im Mittelpunkt steht und gewährleistet ist, können auch Hunde mit Behinderung Dank moderner Therapien und Hilfsmittel ein erfülltes und glückliches Leben führen.

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